Presseaussendung/Medienclippings
Gemäß einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Europäischen Rechnungshofs (ERH) zum Stand der europäischen Kreislaufwirtschaft gehört Österreich neben Slowenien und Deutschland zu den Ländern mit der höchsten Recyclingquote von Siedlungsabfall. Gleichzeitig sind sowohl heimische als auch europäische Anlagen für Kunststoffrecycling von Schließungen bedroht. Grund dafür ist die systematische Benachteiligung von Rezyklaten gegenüber primären Rohstoffen, die zu einer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Branche führt. Allein im Jahr 2025 haben sich die Recyclingkapazitäten in Europa um eine Million Tonnen reduziert.
Wien, am 14. Jänner 2026 – Steigende Betriebskosten, eine fehlende Nachfrage nach Recyclingprodukten und der Preisdruck durch minderwertige Kunststoffimporte aus Drittstaaten untergraben die Wettbewerbsfähigkeit sowohl der europäischen als auch der heimischen Recyclingbranche – und gefährden damit auch die Umweltziele der EU, so das Fazit des aktuellen Rechnungshofberichts der EU. Im Bericht positiv hervorgehoben wird, dass Österreich über 60 Prozent der Abfälle von Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen recycelt und damit zu den europäischen Recyclingprofis gehört. 1 Hochspezialisierte Anlagen, innovative Sortier- und Aufbereitungstechnologien sowie eine leistungsfähige Infrastruktur machen den Standort zu einem Motor der europäischen Kreislaufwirtschaft. „Wir sind großartig im Recycling. Allerdings ist die Nachfrage nach Recyclingrohstoffen gering und eine echte Kreislaufführung der Materialien daher kaum möglich“, stellt Gabriele Jüly, Präsidentin des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB), fest. Die Branche fordert schon seit vielen Jahren eine rechtliche Gleichstellung von primären und recycelten Wertstoffen sowie den verpflichtenden Einsatz von Recyclingrohstoffen.
Ein Schengenraum für Rezyklate
Laut dem EU-Rechnungshof gilt es, die Kreislaufwirtschaft in Europa wirtschaftlich rentabler zu machen. Ein weiterer Schritt müsse die Schaffung eines Schengenraums für Rezyklate sein, so der VOEB. Jüly: „Die Abfall- und Ressourcenwirtschaft produziert hochwertige Sekundärrohstoffe. Doch bürokratische Barrieren führen dazu, dass es dafür keinen echten Binnenmarkt gibt. Abfall muss in der EU endlich als eine wertvolle Ressource eingestuft werden, die bis auf wenige Ausnahmen dem freien Warenverkehr unterliegt. Erst dann wird es einen fairen Wettbewerb geben können.“
Einbruch der Kunststoffrecyclingindustrie
Helga Berger, Österreichs Vertreterin im Europäischen Rechnungshof, ergänzt: „Solange recycelte Wertstoffe teurer sind als neue Produkte, hat die Kreislaufwirtschaft wenig Chance auf Rentabilität. Die mangelnde Nachfrage an zurückgewonnen Materialien stellt Recyclingunternehmen vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Der Rechnungshof empfiehlt der Kommission, Maßnahmen zu ergreifen, um die Kreislaufwirtschaft wirtschaftlich rentabler zu machen.“ Der Rechnungshof ortet in seinem Bericht insgesamt schwierige Bedingungen für die europäische Kreislaufwirtschaft. Fragmentierte Märkte, hohe Energiekosten, volatile Preise für Neuplastik und unlauterer Wettbewerb aus Drittländern haben 2025 zum stärksten Einbruch der Kunststoffrecyclingindustrie in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen geführt, mit einem Netto-Rückgang der Recyclingkapazitäten um rund eine Million Tonnen. 2 Laut VOEB seien die derzeit von der EU-Kommission geplanten Maßnahmen 3 nicht ausreichend, um faire Wettbewerbsbedingungen zu garantieren. Vielmehr braucht es verbindliche Vorgaben zur Beschaffung von Rezyklaten.
Große nationale Unterschiede
Während Österreich die Ziele für Recycling von Siedlungsabfällen für 2025 laut dem EU Early Warning Report 4 bereits 2022 übererfüllt hat, hinken zahlreiche Staaten den ambitionierten Vorgaben hinterher. Vor allem bei der Deponierungsquote liegen viele Länder weit über dem Ziel von zehn Prozent, darunter Griechenland oder das Schlusslicht Rumänien, wo aktuell rund 85 Prozent des Siedlungsabfalls nicht verwertet werden. Der Rechnungshof empfiehlt hier der EU-Kommission, Überwachungs- und Durchsetzungsinstrumente wie Vertragsverletzungsverfahren besser zu nutzen. In Österreich trägt das Deponieverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle ebenso zur Übererreichung des Ziels bei wie die große Bedeutung der Abfallverbrennung als effiziente Form der Energiegewinnung. Jüly: „Die österreichische Abfallwirtschaft beweist, dass Kreislaufwirtschaft auf höchstem Niveau möglich ist. Doch wir können nicht im nationalen Alleingang wettbewerbsfähig bleiben. Europa braucht jetzt eine gemeinsame Strategie, um die Zukunft der Abfall- und Recyclingbranche zu sichern.“
Der Bericht des Europäischen Rechnungshofs zur Bewirtschaftung von Siedlungsabfällen ist unter folgendem Link verfügbar: https://www.eca.europa.eu/de/publications/sr-2025-23
1 Österreich, EU-Abfallrecyclingziele für 2025
2 FEAD: The new EU Circular Economy Package fails to support the European plastic recycling industry
3 EU-Kommission: Neues Maßnahmenpaket zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und zur Stärkung des europäischen Kunststoffrecyclings
4 Europäische Umweltagentur: EU Early Warning Report
Über den VOEB:
Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) ist die freiwillige Interessensvertretung der kommerziell geführten Abfall- und Ressourcenwirtschaftsunternehmen in Österreich. Der Verband vertritt derzeit über 260 Mitgliedsunternehmen und repräsentiert somit zwei Drittel – gemessen am Umsatz bzw. an den Beschäftigten – der privaten österreichischen Abfallwirtschaftsbetriebe. Insgesamt beschäftigt die Abfallbranche in ihren 3.300 privaten und kommunalen Betrieben mehr als 31.000 Mitarbeiter:innen. Die Unternehmen der Abfall- und Ressourcenbranche sammeln, sortieren und verwerten jährlich 74 Mio. Tonnen Abfall und erwirtschaften dabei Umsätze in der Größenordnung von 9 Mrd. Euro pro Jahr.
Rückfragen:
Veronika Wüster - Geschäftsführerin VOEB
Tel.: +43 1 713 02 53
E-Mail: wuester(at)voeb.at
Website: www.voeb.at