Wien, am 5. Juni 2026 – Acht Lithiumbatterien je Tonne Restmüll, das ist die erschreckende Bilanz einer neuen Studie der Montanuniversität Leoben. Das entspricht rund 70 Lithiumbatterien pro Sammelfahrzeug, das etwa. 8,5 Tonnen Restmüll laden kann. Die Zahl der Fehlwürfe hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht und bestätigt damit einen gefährlichen Trend: Da immer mehr Lithiumbatterien im Umlauf¹ sind, steigt auch die Zahl der falsch entsorgten potenziellen Brandstifter sowie der Brände in Betrieben der Abfallwirtschaft deutlich. Die Forschergruppe hat sich über 1.000 öffentlichkeitswirksame Brandereignisse der letzten 18 Jahre angesehen. Thomas Nigl von der Montanuniversität Leoben: „Hochgerechnet beträgt die Anzahl an Lithiumbatterien im Restmüll jährlich rund 17 Millionen Stück. Das ist für die Abfallwirtschaft eine Katastrophe. Besonders auffällig ist der starke Anstieg von Brandereignissen in den letzten zwei Jahren, die deutlich über dem langfristigen Trend liegen. Gleichzeitig zeigen sich neue Extremwerte bei Branddauer, betroffener Abfallmenge und Schadenssummen.“ Der Experte rät, rasch dagegen zu steuern.
Lithiumbatterien im Restmüll sind tickende Zeitbombe
In Österreich lag der Anteil der in Verkehr gesetzten Lithiumbatterien an allen Gerätebatterien 2024 bereits bei rund 46,5 Prozent, die Sammelquote der Lithiumbatterien betrug allerdings nur rund 13 Prozent². Gabriele Jüly, Präsidentin des VOEB, warnt: „Falsch entsorgte Lithiumbatterien sind eine tickende Zeitbombe für unsere Beschäftigten, für die Umwelt, für den Fortbestand ganzer Betriebe und für die Entsorgungssicherheit in Österreich.“ Der VOEB hat allein im vergangenen Jahr 36 größere Brandereignisse in Betrieben der Abfall- und Ressourcenwirtschaft dokumentiert³. Trotz erheblicher Investitionen in Brandschutz durch die Betriebe ist der VOEB überzeugt, dass nur ein Cashback-System bzw. ein finanzieller Anreiz für die Rückgabe von Lithiumbatterien zu weniger Fehlwürfen und einer höheren Sammelquote führen kann. So oder so muss bis 2030 laut EU-Vorgabe die Sammelquote aller Gerätebatterien auf 73 Prozent erhöht werden – Österreich erreicht derzeit nur rund 53 Prozent⁴. Je höher die Sammelquote, desto besser können in Lithiumbatterien enthaltene Rohstoffe, wie Nickel, Lithium, Kobalt oder Mangan, recycelt und im Kreislauf erhalten werden.
Forscher:innen fordern zusätzliche Maßnahmen
Auffällig ist laut Studienautoren die zunehmende Verbreitung fest verbauter Lithium-Ionen-Akkus in Kleingeräten und Konsumprodukten. Besonders häufig wurden Einweg-E-Zigaretten, Spielzeug, elektrische Zahnbürsten, Akkugeräte und kleinere Elektrogeräte mit integrierten Akkus im untersuchten Restmüll gefunden. Nigl: „Die Ergebnisse zeigen klar, dass die bestehende getrennte Sammlung von Batterien und Elektroaltgeräten derzeit nicht ausreicht, um die steigenden Risiken wirksam zu begrenzen. Ohne zusätzliche Maßnahmen ist aufgrund der weiter steigenden Inverkehrsetzungszahlen von Produkten mit Lithiumbatterien mit einer weiteren Verschärfung der Situation zu rechnen.“ Die Empfehlungen der Forscher:innen: die getrennte Sammlung erhöhen, bessere Informationskampagnen, regulatorische Maßnahmen (insbesondere im Umgang mit Einweg-E-Zigaretten), stärkere Einbindung der Hersteller und laufende Risikoüberwachung. „Lithiumbatterien zählen mittlerweile zu den zentralen Sicherheitsrisiken der österreichischen Abfall- und Kreislaufwirtschaft – mit wachsenden wirtschaftlichen Folgen durch steigende Schäden und Versicherungskosten. Ein koordiniertes Vorgehen von Politik, Herstellern, Sammelsystemen und Abfallwirtschaft ist daher unerlässlich“, so Nigl.
Tipps zum Umgang mit Lithiumbatterien und -akkus:
Über die Studie: Eine Forschungsgruppe der Montanuniversität Leoben (Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft) um Elena Dvorak, Marlene Korn und Thomas Nigl hat die Entwicklung batteriebedingter Risiken – insbesondere durch Lithium-Ionen-Batterien (LIB) – in der österreichischen Abfallwirtschaft analysiert. Die Grundlage bildete ein 18-jähriges Monitoring von Brandereignissen (November 2007 bis Oktober 2025) sowie Sortieranalysen von Restmüllproben aus mehreren Bundesländern. Insgesamt wurden über zehn Tonnen Restmüll aus der Steiermark, Tirol und Vorarlberg untersucht und durch aktuelle Literaturdaten aus weiteren Bundesländern ergänzt.
(1) Quelle: Frauenhofer Institut (2) Quelle: Umweltministerium (3) Quelle: VOEB (4) Quelle: EAK
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Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) ist die freiwillige Interessensvertretung der kommerziell geführten Abfall- und Ressourcenwirtschaftsunternehmen in Österreich. Der Verband vertritt derzeit über 260 Mitgliedsunternehmen und repräsentiert somit zwei Drittel – gemessen am Umsatz bzw. an den Beschäftigten – der privaten österreichischen Abfallwirtschaftsbetriebe. Insgesamt beschäftigt die Abfallbranche in ihren 3.300 privaten und kommunalen Betrieben mehr als 31.000 Mitarbeiter:innen. Die Unternehmen der Abfall- und Ressourcenbranche sammeln, sortieren und verwerten jährlich 74 Mio. Tonnen Abfall und erwirtschaften dabei Umsätze in der Größenordnung von 9 Mrd. Euro pro Jahr.
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