Erfolgreicher Workshop: "HP 14" - Was nun?

Vorlagen

Rund 150 Teilnehmer nahmen an der gemeinsam vom BMLFUW, WKO, Fachverband Entsorgungs- und Ressourcenmanagement und VOEB organisierten Veranstaltung teil.

Hintergrund dazu ist, dass am 8. Juni 2017 mit der EU-Verordnung (EU) 2017/997 eine neue Definition für das Gefährlichkeitskriterium HP 14 „Ökotoxisch“ eingeführt wurde. Die Verordnung ist am 28. Juni 2017 in Kraft getreten und muss bis spätestens 5. Juli 2018 durch die nationalen zuständigen Behörden und die Unternehmen umgesetzt und angewandt werden.

Die Klassifizierung, ob ein Abfall ökotoxisch ist oder nicht, kann über eine Berechnungsmethode oder über analytische Tests erfolgen. Kritiker der neuen Verordnung, darunter auch Österreich, befürchten nun, dass viele Abfälle die bisher als nicht gefährlich galten, künftig als gefährlich einzustufen sind.
Hinsichtlich der analytischen Tests wird die Situation dahingehend verschärft, dass es auf europäischer Ebene kein harmonisiertes bzw. abgestimmtes Verfahren gibt. SPOHN von der Interessensgemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD) zeigte z.B. auf, welches Konfliktpotential im Fokus auf HP 14 alleine bei der Einstufung von Verbrennungsaschen auftreten kann. RÖMBKE von der ECT Ökotoxikologie GmbH stellte eine Übersicht für die Durchführung und Bewertung von Biotests vor, wobei er auch verdeutlichte, dass man für die Feststellung der Ökotoxizität eines Abfalls mehrere zeitaufwendige Untersuchungsverfahren wird anwenden müssen. Da es in Österreich keine einschlägige Norm für die Probenvorbereitung von Abfällen für die Prüfung von HP 14 gibt, wurde in einer Arbeitsgruppe des Österreichischen Normeninstitutes über die Sommermonate eigens ein Entwurf für eine ÖNORM ausgearbeitet (ÖNORM S 2117 - Herstellung eines Eluates für die Untersuchung der aquatischen Ökotoxizität). Diese wurde von RITTENSCHOBER (Lenzing AG) und LINSMEYER (Energie AG) präsentiert, womit der erste Block des Workshops beendet wurde.

Im zweiten Block des Workshops, wo es um die erste Einschätzung aus der Sicht der Wirtschaft ging, zeigte KALTHOF (MAV Mineralstoff GmbH) über die möglichen Folgen von HP 14 auf die Verwertung von MVA-Schlacken in Deutschland. Einerseits hätte dies Einfluss auf bestehende und künftige Genehmigungen (UVP, IPPC etc.) von Anlagen. Andererseits würde die Einstufung von Schlacken als gefährlicher Abfall wohl gleichbedeutend mit dem Ende der Verwertung außerhalb von Deponien als wahrscheinlich gelten.

Ähnlich kritisch sehen es SLIJKHUIS von Müller-Guttenbrunn und KASPER von der Porr Umwelttechnik die Situation. Viele Anstrengungen wurden in den letzten Jahren unternommen, um die stoffliche Verwertung von Abfällen zu forcieren. Ebenso sehen sie die gut funktionierende Kreislaufwirtschaft aus verschiedenen Gesichtspunkten in Gefahr. Denn inwieweit wäre die Industrie bereit, „gefährlichen“ Abfall für die Schaffung neuer Produkte heranzuziehen. Zudem ist völlig offen, wer welche Tests, zu welchem Zeitpunkt, für welche Anwendungen machen muss. Somit stellt sich die Frage, wie in Zukunft Wiederverwendungs- bzw. Recyclingquoten erfüllt werden sollen.

Der Dritte und letzte Workshop-Block stand im Zeichen mit der Umsetzung von HP 14 in Europa am Beispiel Deutschland, Belgien und Finnland. Dabei präsentierten WUTTKE, WELTENS und WAHLSTRÖM die Herangehensweise, erste Ergebnisse und mögliche Strategien für ihre Länder. Erstrebenswert wäre aus ihrer Sicht ein für ganz Europa gleichlaufendes und harmonisiertes Testverfahren.

Wie geht es weiter?
Das BMLFUW präferiert zur Bestimmung der Eigenschaft HP 14 „Ökotoxisch“ das Verfahren mittels Testmethoden. In einem ersten Schritt soll in den kommenden Monaten untersucht werden, ob bei ausgewählten Abfällen bzw. Abfallströmen das Kriterium Ökotoxizität erfüllt wird oder nicht. Des Weiteren müssen Testmethoden ausgewählt und definiert werden. Dies möchte man im Besonderen gemeinsam mit Deutschland durchführen. Das BMLFUW möchte hier vor allem eine pragmatische Lösung für alle betroffenen Kreise finden.

In einem weiteren Schritt möchte das BMLFUW einen Leitfaden veröffentlichen, welcher die Vorgangsweise für die Beurteilung von HP14 beschreiben soll.

Die Vortragsunterlagen zum Workshop können gegen ein Entgelt beim VOEB-Büro voeb(at)voeb.at angefordert werden.

Fotos von der Veranstaltung

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